Ratgeber
.brand: Wenn die eigene Marke zur Domainendung wird
Bei einer .brand-Top-Level-Domain steht die registrierte Marke rechts vom Punkt – etwa als produkt.marke. Das Unternehmen betreibt damit einen eigenen Namensraum im Domain Name System.
Was eine .brand-TLD ist
Anders als .ch oder .com wird eine .brand-Endung grundsätzlich von einem einzelnen Markeninhaber kontrolliert und für dessen eigene Zwecke betrieben.
Der Unterschied zu einer normalen Domain
Länderspezifische Top-Level-Domains (ccTLDs) wie .ch, .de und .fr sind einem Land oder Gebiet zugeordnet. Die Registrierungsbedingungen unterscheiden sich je nach Register; nicht jede ccTLD steht weltweit uneingeschränkt offen.
Generische Top-Level-Domains (gTLDs) wie .com, .org und .net sind häufig breit zugänglich, können aber eigene Bedingungen haben.
Eine .brand ist technisch ebenfalls eine gTLD, jedoch mit geschlossenem Nutzerkreis: Registrierungen sind dem Markeninhaber sowie berechtigten verbundenen Unternehmen und Lizenznehmern vorbehalten.
Wer solche Endungen nutzt
Beispiele für Marken-Top-Level-Domains sind .microsoft, .sky, .google, .bmw und .audi. Den aktuellen Status der einzelnen Endungen können Sie in der IANA Root Zone Database prüfen.
Wer sich bewerben kann
Eine Bewerbung erfordert eine geeignete juristische Person, die Erfüllung der ICANN-Anforderungen und den Nachweis der Marke. Für den .brand-Status sind insbesondere die genauen Markenrechte und gültige Signed Mark Data (SMD) aus dem Trademark Clearinghouse relevant. Die verbindlichen Details stehen im ICANN-Bewerbungsleitfaden.
Mögliche Vorteile
Eine geschlossene .brand gibt dem Betreiber mehr Kontrolle darüber, wer Domains wie login.brand oder france.brand nutzen darf. Das reduziert Möglichkeiten für unberechtigte Registrierungen innerhalb der eigenen TLD. Sicherheitsrisiken und Nachahmungen unter anderen Endungen bleiben dennoch möglich; technische und organisatorische Schutzmassnahmen sind weiterhin nötig.
Kosten und Verpflichtungen
Kosten: Die reguläre ICANN-Bewertungsgebühr der Runde 2026 beträgt 227’000 USD pro Bewerbung. Ausnahmen und zusätzliche Prüfgebühren können gelten. Technischer Registry-Betrieb, Beratung und laufende Gebühren kommen hinzu.
Bindung an die Marke: Die TLD muss zum geschützten Zeichen passen. Bei einem Rebranding lässt sie sich nicht einfach in die neue Endung umbenennen; ein erheblicher Teil der Investition kann dadurch seinen Nutzen verlieren.
Bewerbungsfenster: Neue Endungen können nur im Rahmen der von ICANN eröffneten Runden beantragt werden. Es gibt keinen garantierten Rhythmus von zehn Jahren.
Zeitplanung für die nächste Bewerbungsrunde
Stand: 10. September 2026. Das Bewerbungsfenster lief vom 30. April bis zum 12. August 2026 und ist geschlossen.
Nach der ICANN-Mitteilung vom 13. August muss die vollständige Bewertungsgebühr bis zum späteren dieser beiden Termine eingegangen sein: 19. August 2026, 23:59 UTC, oder sieben Tage nach Versand der Rechnung, 23:59 UTC.
ICANN kündigte an, den Termin für «Reveal Day» und die folgenden Meilensteine voraussichtlich Mitte September 2026 bekanntzugeben. Prüfen Sie für neue Termine die offiziellen Programmmitteilungen.
Nach der Bewerbung folgen unter anderem Prüfung, mögliche Einwendungen, die Behandlung konkurrierender Zeichenfolgen sowie Vertrags- und technische Schritte. Die Dauer hängt von der einzelnen Bewerbung ab.
Aktueller ICANN-Stand zum Abschluss der Runde.
Erfahren Sie mehr darüber im ICANN New gTLD Program.
Fazit
Eine .brand-TLD schafft einen eigenen digitalen Namensraum. Das kann für grosse, etablierte Marken wertvoll sein, verlangt aber ein langfristiges Budget, Betriebskompetenz und Vertrauen in die Beständigkeit des Namens. Wer einen späteren Namenswechsel erwartet, sollte diese Bindung besonders sorgfältig abwägen.